Warum ich nicht mehr Vollzeit blogge…

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Es ist mal wieder Zeit für ein paar persönliche Worte. Da ich immer wieder Fragen dazu bekomme, warum ich nun doch nicht mehr Vollzeit blogge, dachte ich, es wäre ein guter Grund für einen kleinen amiga-Talk.

Kommt man mit jemanden ins Gespräch, egal ob auf Events oder privat, kommt irgendwann die Frage nach dem Beruf und ungefähr 500 Fragen folgen: Kann man vom Bloggen leben? Machst Du das Vollzeit oder nur als Hobby? Ach, warum nicht mehr Vollzeit? Hat es nicht gereicht? Ist das viel Arbeit? „Ja, man kann davon leben. Es war ausreichend und es ist sehr viel Arbeit. Ich habe wieder zu arbeiten begonnen, weil ich mich in eine Hyäne verwandelt habe und mich selbst nicht wiedererkannte.“

So, das war die Kurzfassung. Aufgrund vieler Fragen zu diesem Thema, werde ich aber heute detaillierter auf mein Dilemma vom Vollzeit-Bloggen eingehen.

Der Weg zum Vollzeitblogger

Mitte letzten Jahres entschied ich mich zum Schritt in die völlige Selbstständigkeit. Ich hatte meinen Happy Lifestyle Blog schon seit Beginn 2016 angemeldet, aber war eben auch noch berufstätig. Das wollte ich ändern. Ich wollte mehr. Und ich denke, dass sehr viele Blogger da draußen genau den gleichen Traum haben, wie ich ihn hatte: Vollzeitblogger. Sein Hobby zum Beruf machen. Also wagte ich den Schritt, kündigte meinen Job, richtete ein Homeoffice ein und widmete mich voll und ganz meinem Blog – und klein Knuti, der im Zuge dessen auch bei uns einziehen durfte.

Mein Blog lief zu diesem Zeitpunkt schon relativ gut, dennoch hatte ich keine Ahnung, wie sich alles fügen wird bzw. ob die Einnahmen halbwegs beständig bleiben. Das ist in der Selbstständigkeit nie ganz gewiss und wenn man auf diverse Kunden und Kooperationen angewiesen ist sowieso nicht. Der monetäre Aspekt war aber für mich immer im Hintergrund. Ich wollte es einfach versuchen.

Da ich leider nicht in der glücklichen Position bin und jeden Tag mehrere stichhaltige Kooperationsanfragen in mein Postfach eintrudeln, musste ich selbst die Initiative ergreifen. Für mich kein Problem. Ich suchte mir weitere Agenturen, interessante Firmen und mögliche Kunden heraus und gab mein Bestes. Einiges fruchtete, manches ging nach hinten los. Tagtäglich machte ich mich auf Entdeckungsreise im WWW. Obwohl ich es teilweise nicht nötig hatte, lag ich immer auf der Lauer. Selbst beim Mädelsabend wurde ich an manchen Stellen hellhörig und überlegte, wie ich an Kontakte zu bestimmten Produkten über die wir gerade sprachen, herankomme. Ich war unentspannt und meist gar nicht bei der Sache.

Ich lag immer auf der Lauer.

Ich war in einem Teufelskreis gefangen. Die innerliche Angst, nicht zu wissen wie es nächsten Monat aussieht, veränderte mich total. Ich konnte kaum mehr private Momente genießen und saß nur am Laptop bzw. hatte mein Smartphone in den Händen – ich könnte ja etwas Wichtiges verpassen. Dass meine Kreativität unter dem Druck litt, brauche ich wohl gar nicht erst zu erwähnen. Zuvor kannte ich Schreibblockaden eigentlich nur vom Hören-Sagen. Plötzlich waren sie meine größten Feinde. Mir verging die Lust an Social Media und am Bloggen. Doch ich hatte schon zu viel Arbeit in mein kleines Herzensprojekt gesteckt und aufgeben kommt für mich sowieso nie in Frage. Ein Plan B musste her.

Plan B

Wie es der Zufall wollte, wurde mir mein derzeitiger Job angeboten. Alles ging ganz schnell und innerhalb weniger Tage saß ich wieder in einem richtigen Büro, mit ordentlicher Kleidung, frisch gewaschenen Haaren und Make-Up im Gesicht. Da wurde mir klar, wie sehr ich eine Festanstellung vermisst habe – Leute mit denen ich über andere Dinge als meinen Blog sprechen kann, mich wieder frei fühlen, weil ich weiß, dass meine Fixkosten bezahlt werden können, auch wenn ich mal keine Lust auf Bloggen habe. Es war für mich definitiv die beste Entscheidung, die ich gegen Ende des Jahres 2016 getroffen hatte.

Bin ich gescheitert oder doch gewachsen?

Mittlerweile frage ich mich, ob ich mir selbst oder jemand anderen etwas beweisen wollte als Vollzeitbloggerin. Warum habe ich es soweit kommen lassen? Ich war ein Raubtier, immer auf der Lauer und kurz vorm Zuschnappen. Hatte ich Angst vorm Scheitern? Klar, definitiv. Niemand gesteht sich gerne ein, versagt zu haben. Wobei ich in meinem Fall ja auch gar nicht versagt habe. Mir wurde nur klar, dass ich nicht dazu gemacht bin meinen Blog Vollzeit zu betreiben. Das ist eine Erkenntnis und eine Erfahrung über die ich sehr dankbar bin.

Niemand gesteht sich gerne ein, versagt zu haben.

Es hat viele Tränen gekostet, mir genau das einzugestehen. Denn Scheitern ist etwas anderes. Ich bin glücklich in meinem Teilzeit-Job als Social Media Redakteurin und so bleibt mir noch genügend Zeit für amigaprincess. Und wer weiß, vielleicht wage ich den Schritt ja nochmal. Dann, wenn ich mich vor Anfragen nicht mehr retten kann 😉 Aber bis dahin, genieße ich den Luxus einer Festanstellung und den Luxus einfach mal Wochenende zu machen und das Handy beiseite zu legen.

Was ich mit diesem Beitrag sagen möchte: es ist nicht alles Gold, was glänzt. Manche Leute sind geborene Entrepreneure, manche müssen erst in die Rolle hineinwachsen. Was zählt, ist die Leidenschaft zu dem, was man macht! Und die habe ich auf jeden Fall!

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21 Comments
  • Margarita
    26.04. 2017

    Super Beitrag! Man träumt immer von der Selbstständigkeit um sich frei zu fühlen (auch ich hatte das immer wieder) und vergisst dabei dass es noch andere Möglichkeiten gibt wie Du es jetzt machst. Super ehrlicher Beitrag.
    Viel Spass wieder beim bloggen und liebe Grüsse. Margute.com

  • katy fox
    26.04. 2017

    wow ein toller beitrag – echt toll mal die andere seite zu sehen – mein traum wäre es halb halb zu machen – also 50 % u 50 % Bloggen 🙂
    aber du arbeitest jz nicht vollzeit oder?
    Was arbeitest du genau wenn ich fragen darf 🙂
    glg katy

    http://www.lakatyfox.com

    • Beatrix Treml
      26.04. 2017

      Hey Katy,
      danke Dir! Ja 50/50 ist auch für mich eine tolle Lösung. So krieg ich alles unter einen Hut, obwohl es manchmal schon echt recht stressig ist. Ich arbeite in einer PR-Agentur als Social Media Redakteurin. 🙂

      xx, Trixi

  • Karolina
    20.03. 2017

    Liebe Trixi,
    Selbstständigkeit bedeutet Mut zu haben und sich zu trauen. Ich kann deine Situation sehr gut nachvollziehen, denn auch ich war vor Jahren im Beauty Bereich selbstständig und habe es damals nicht geschafft. Im Grunde genommen war ich mein einziger dauerhafter Kunde. Auch ich habe damals meinen Job gekündigt und es dann später bereut. Derzeit träume ich oft wie es wäre selbstständig im Blogger Bereich zu sein aber ich muss dir gestehen ich hätte zuviel Angst davor es nochmal zu probieren. Wer weiß ob sich diese Angst jemals legt.
    Alles Liebe und viel Erfolg dir weiterhin 🙂
    Karolina

    https://kardiaserena.at

  • Bea
    19.03. 2017

    Liebe Trixi, das ist eine wichtige Erfahrung, die du gemacht hast. Aber so geht den meisten Selbstständigen. Du muss immer für die neue Aufträge in der Pipeline sorgen.
    Oder man hat eine Nische entdeckt, wo die Nachfrage größer als Angebot ist 😉
    Liebe Grüße Bea von weblimbo.com

  • Kaja
    17.03. 2017

    Liebe Trixie,

    du hast eine tolle Erfahrung hinter dir und du bist dadurch um Einiges reicher geworden. ( Im geistlichen Sinne)
    Du sollst und darfst dir niemals vorwerfen, gescheitert zu sein – denn das bist du nicht! Ich finde deine Arbeit auf dem Blog richtig toll und ich bin überzeugt, dass du es in Zukunft sehr weit bringen wirst!

    Mach weiter so!
    Liebste Grüße
    Kaja

    http://www.thecosmopolitas.com

  • Katharina
    17.03. 2017

    Ich versteh das sehr, sehr gut. Dass Menschen, die selbstständig arbeiten bekanntermaßen selbst und ständig arbeiten kenne ich nur zu gut. Dass man sich in privaten Gesprächen dabei ertappt, wie man den Beruf betreffend strategisch denkt und überlegt, ob man da nicht was rausholen könnte, kenne ich nur zu gut. Eine Seite, die ich an der Selbstständigkeit und meinem selbstständigen Ich ebenfalls sehr wenig schätze. Beim Bloggen stell ich mir das noch viel extremer vor. Gerade, wenn es sich um einen Lifestyle-Blog handelt, wo ja das Private und Berufliche irgendwie noch ein bisschen mehr verschmilzt.

    Schön, dass du uns an deinen Gedanken teilhaben lässt. Es tut gut, wenn man in der Blogosphäre und den ganzen Social Media-Kanälen auch mal ehrliche Worte zu lesen kriegt, mit denen man sich mehr identifizieren kann und die einem irgendwo wieder ein bisschen ins Gedächtnis rufen, wie leicht man sich in der vermeintlichen Perfektion glitzernder Insta-Zuckerwatte verliert und dass es hinter den Fassaden immer noch menschelt. Was ja auch gut so ist! 🙂

  • Maria
    17.03. 2017

    Dieser Beitrag katapultiert dich direkt im Sympathielevel nach oben (weeeeeeeeit oben) – meiner Meinung nach. Schön ehrlich und aufrichtig. Habe sowas schon lange nicht mehr in der Bloggerwelt gelesen.
    Ich denke wenn du dich nicht mehr auf deinen Blog „versteifen“ musst, wird er noch besser als er eh schon ist!

  • Cati
    17.03. 2017

    So hat jetzt doch geklappt mit dem Link! 🙂 Ein schöner Post mit einem realistischen Blick auf die ganze Sache.
    Es gefällt mir sehr gut, wie du darüber denkst.
    Ich wünsche dir viel Erfolg für deinen Blog! 🙂

    Liebe Grüße,

    Cati

  • Natacha
    17.03. 2017

    Ach meine Liebe, das hast du so schön gesagt! Ich denke ganz und garnicht, dass du versagt hast. Versagen wäre es, wenn du Stur geblieben wärst und dich selbst dabei verloren hättest. Ich sollte mir ein Beispiel an dir nehmen – mal wieder 😉

  • Sabine
    17.03. 2017

    Liebe Trixi,

    ich finde es ganz toll, wie ehrlich du damit umgehst, und dass du dich so öffnest. und man wächst an seinen Erfahrungen – hauptsache, man kann sich selbst etwas davon mitnehmen und daraus lernen. gerade aus scheinbaren Niederlagen kommt man viel stärker hervor. ich wünsch dir auf jeden Fall viel Erfolg (auch mit dem Blog, hoffentlich bleibt der uns erhalten 🙂 ) – und gratuliere zu der Entscheidung. wenn es dir gut geht damit, war es auf jeden Fall das Richtige.

    • amiga
      19.03. 2017

      Danke Sabine! So tolles Feedback tut richtig gut!

  • marion
    17.03. 2017

    schöne ehrliche Worte!
    man wächst mit jeder Aufgabe und ‚man weiß nicht wofür es gut war‘ – sonst hättest du knuti vielleicht gar nicht oder den Job den du jetzt hast…
    ich versuche mir in schlechten Momenten immer zu sagen, dass alles seinen Grund hat(te)… auch wenn man ihn oft nicht gleich erkennt 😉

    alles gute weiterhin!
    glg marion

    • amiga
      19.03. 2017

      Genau 🙂 Everything happens for a reason!

  • Melanie
    17.03. 2017

    Ein sehr ehrlicher Post! Ich bewundere dich, den großen Schritt gewagt zu haben. Auch wenn du festgestellt hast, dass es nichts für dich ist, so ist es Stärke das zu sagen. Ich würde auch nicht Vollzeit bloggen wollen, sondern brauche Ende des Monats immer die Sicherheit mit einem festen Gehalt :-*

    viele liebe Grüße
    Melanie / http://www.goldzeitblog.de

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