Urlaubsgedanken: Hat mich Instagram in meiner Wahrnehmung abgestumpft?

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Auf Social Media scheint der Urlaub immer so perfekt. Oder vielleicht aufgrund von Social Media? Wie es hinter den Kulissen aussieht verrate ich Euch heute in diesem persönlichen Beitrag. Hat Instagram mich in meiner Wahrnehmung abgestumpft?

Wie Ihr wisst waren wir vor zwei Wochen im Urlaub. Auf Social Media hat natürlich alles super ausgesehen, in mir drin eher nicht. Ich war schlichtweg unzufrieden mit unserem gewählten Urlaubsziel. Kein Strände wie ich sie mir ausgemalt hatte, keine authentische Trattoria und ein Haufen unfreundliche und teils genervte Menschen. Ja ich verstehe schon, dass in der Nachsaison die Einheimischen erstmal erleichtert sind und ihre Ruhe genießen möchten. Andererseits waren meine Erwartungen sowas von enttäuscht worden. Ich wurde also selbst zu so einer genervten Person unter vielen anderen.

Um kurz nochmal auszuholen: mein Freund und ich haben uns nichts mehr gewünscht als einen Urlaub in dem wir richtig entspannen können. Durch Zufall bin ich auf die Liparischen Inseln gestoßen – eine Inselgruppe im Norden Siziliens. Die Fotos sahen traumhaft aus und auch die Berichte lasen sich gut. Kristallklares Wasser, wunderschöne Buchten, ein Wanderparadies und gutes Essen. Zudem war es am Urlaubsort auch Mitte Oktober noch angenehm warm und nicht zu heiß. Perfekt also!

Leider waren wir beide vor der langersehnten Entspannung so eingespannt, dass wir einfach keine Zeit für die Urlaubsplanung gefunden haben. Ergo, wir haben nur auf schnell schnell die Unterkünfte und den Transfer gebucht. Vom Urlaubsziel selbst wussten wir nicht viel – wir kannten nur die Fotos und den Wetterbericht. So schön, so gut. Man kann sich ja auch hin und wieder überraschen lassen. Gut gelaunt haben wir Wien den Rücken gekehrt und uns auf den Weg nach Catania – unserem Zwischenstop – gemacht.

Der erste Eindruck war naja… sagen wir so, ich habe mich nicht unbedingt wohl gefühlt. War aber dennoch frohen Mutes am nächsten Tag im Paradies zu landen. Früh morgens machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Nach etwa 3 Stunden Zugfahrt stand uns noch eine Stunde mit einem Tragflächenboot bevor. Alles verlief super. Unser Gastgeber holte uns ab und wir wollten einfach nur in die Unterkunft und mal durch durchatmen – so der Plan.

Unser Host allerdings stoppte bei einer Autovermietung und zwang uns regelrecht dazu einen fahrbaren Untersatz zu mieten. Auto möchte ich diese Schüssel nicht nennen. 😀 Meine gute Laune war im Keller. Die Gassen auf der Insel waren in etwa so breit wie das Auto selbst und von beiden Seiten mit hohen Mauern begrenzt – zumindest teilweise. Von den metertiefen Schlaglöchern gar nicht zu sprechen. 😉 Völlig fertig landeten wir in der Unterkunft.

Kurze Pause und dann wieder in die Stadt um gute italienische Pasta und ein Glas Rotwein zu genießen. Die Suche danach gestaltete sich als relativ schwierig. Genervt fiel unsere Wahl auf das nächstgelegene Restaurant – es war zufällig auch eine Empfehlung unserer Gastgebers. Das Essen war solala und die Atmosphäre? Mit unserer Hauptspeise wurde auch eine tolle Aussicht serviert. Ein Kreuzfahrtschiff legte in ca. 5m Entfernung an. Wenn ich jetzt zurückdenke muss ich über diese absurde Situation schmunzeln, zu dem Zeitpunkt war es aber alles andere als lustig. Der nächste Tag würde besser werden.

Ihr könnt Euch vorstellen wie unsere Laune war. Tag zwei im vermeintlichen Paradies. Wir wollten die Insel erkunden und packten ein großes Strandtuch und Bücher ein. Ein richtig entspannender Tag stand am Plan. Doch Lipari hatte andere Pläne für uns. Es gibts genau zwei Strände mit direktem Zugang, also beschlossen wir am Ende des Tages zu einer Bucht zu wandern. Das gestaltete sich an einer Steilküste als wesentlich schwieriger als erwartet.

Daraufhin beschlossen wir ab sofort alles mit dem Boot zu erkunden und buchten gleich für den nächsten Tag eine Tour. Das war mit Abstand die beste Entscheidung. Der Trip war traumhaft und zeigte uns die schönsten Plätze der Insel. Leider hatte sich aber bei uns schon eine „Grund-Genervtheit“ eingestellt und so richtig genossen haben wir es nicht. Stops in den klarsten Buchten, wo man bei 15 m Tiefe noch den Boden sehen kann, Prosecco in einer einsamen Bucht und schnorcheln im „Swimmingpool“ von Lipari. Das alles haben wir nicht als außergewöhnlich wahrgenommen. Aber warum?

Hat mich Instagram in meiner Wahrnehmung abgestumpft?

Habe ich für meine Augen und mein Empfinden schon das Schönste gesehen? Sind Island und Sardinien für mich wirklich das Nonplusultra, sodass ich keinen weitere Urlaub mehr genießen kann? Oder hat mich Social Media und die täglichen Eindrücke von Reisebloggern und großen Influencern einfach in meiner Wahrnehmung abgestuft?

Möchte ich immer noch schönere und noch bessere Orte sehen? Ist das überhaupt möglich? Das Schöne liegt doch in der Natur selbst. Und davon gab es auf den Liparischen Inseln reichlich. Das Wasser so klar, wie ich es noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe. Die Buchten so ruhig und unberührt. Tausende Fische im Wasser, die man beinahe mit den Händen herausholen kann. Ein Vulkan der vor sich hinbrodelt – mehr Natur geht einfach nicht.

Wenn ich mir jetzt die Fotos ansehen und Eure Kommentare darunter lese wird mir erst bewusst, was ich verpasst habe. Ich habe diese Schönheit nicht wahrgenommen. Anstatt dessen war ich auf der Suche nach mehr. Mit ein wenig Vorbereitung auf die Inseln wäre der Urlaub ganz anders gekommen. Aber der Alltagsstress hat uns einfach nicht losgelassen und war auch im Urlaub immer im Hinterkopf. Ob ich nun Instagram oder dem Stress die „Schuld“ gebe, weiß ich nicht. Eigentlich sollte ich bei mir selbst anfangen. 🙂

Im Nachhinein finde ich es sehr unterhaltsam wieviel eigentlich in nur einer Woche schief laufen kann. Oben könnt Ihr nur einen kleinen Auszug lesen. Etwas traurig bin ich aber auch, da ich dieses Paradies, das es im Endeffekt tatsächlich war, nicht so wahrgenommen habe.

Zum Schluss noch eine Frage an mich: Kann ich die Liparischen Inseln als Urlaubsziel empfehlen? Auf jeden Fall. Wie schon erwähnt, gibt es einfach ein paar Dinge, die man vorab wissen sollte. Und genau die verrate ich Euch ganz bald in einem anderen Blogpost.

Mich würde Eure Meinung zu diesem Thema interessieren. Glaubt Ihr, dass uns Instagram und all die perfekten Fotos in unserer Wahrnehmung beeinflussen oder sie sogar abstumpfen lassen? Habt Ihr Euch selbst auch schon ertappt an wunderschönen Orten nicht innezuhalten sondern nach mehr zu suchen? 

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1 Comment
  • Anna
    27.10. 2018

    Uns ging es mit Sizilien genauso. Wir waren auch alle sehr gestresst bevor wir gestartet sind und haben viel länger als sonst gebraucht um uns zu entspannen. Wobei ich auch denke, dass die italienische Mentalität (gestresste Menschen, teilweise schroff, die katastrophale Fahrweise,…) auch Schuld war. Dann auch der ganze Müll der überall herum liegt… Aber ja, wenn wir uns jetzt die Fotos ansehen, waren wir schon an einem richtig schönen Fleckchen. Wobei wir wieder Richtung Mallorca, Ibiza und co tendieren. Spanien passt anscheinend einfach besser zu uns. Und wie du schreibst, mehr Planung im voraus ermöglicht einem einfach mehr Entspannung während dem Urlaub. Man muss sich einfach auch wieder selbst vor Augen halten, dass die Bilder auf Instagram und co immer nur das Schönste zeigen und nicht die Menschenmengen, Müll, etc.

    LG Anna

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